• Lukas Litschauer

VUCA – Was ist das eigentlich und macht Planung in einem volatilen Umfeld überhaupt noch Sinn?

VUCA ist nicht erst seit Corona ein häufig verwendetes Konzept, sondern wird regelmäßig im Zusamenhang mit der Digitalisierung ins Spiel gebracht. Wo kommt VUCA überhaupt her, was heißt das für mein Unternehmen und welche konkreten Schritte kann ich für meine Finanzplanung ableiten? Einen Überblick gibt’s hier im Blog.



Was ist VUCA und wo kommt es her?


VUCA kommt eigentlich aus dem US Army War College, hat also einen militärischen Ursprung. Stark verkürzt war es die Antwort auf den Zusammenbruch der Sowjetunion. Plötzlich gab es nicht mehr nur einen Feind sondern ein deutlich komplexeres Lagebild. Und genau darum geht es in der VUCA-Welt. VUCA ist ein Kunstwort und setzt sich aus Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity zusammen. Die Welt wird also volatiler, unsicherer, komplexer und mehrdeutig. Was heißt das konkret? Veränderungen entwickeln sich zunehmend nicht mehr schrittweise, sondern schlagartig und teils unvorhersehbar. Disruptive Geschäftsmodelle bringen beispielsweise in kürzester Zeit etablierte Player unter Druck, Arbeitsweisen verändern sich und das wirtschaftliche Umfeld kann gefühlt über Nacht ganz anders aussehen. Gleichzeitig werden Zusammenhänge komplexer, Ursache und Wirkung lassen sich immer schwerer identifizieren und abschätzen. Unter diesen Aspekten kann es den EINEN Weg zur Lösung des Problems nicht mehr geben. Mehrdeutigkeit akzeptieren heißt sich von der guten alten Optimierung zu verabschieden. Was für ein Unternehmen funktioniert kann nicht mehr beliebig als Best-Practice übernommen werden, jedes Problem ist individuell zu lösen. Und ja – es werden Fehler passieren.


Was ist die Antwort auf VUCA


Jetzt wird’s zumindest leicht zu merken – denn die Antwort auf VUCA ist: VUCA. Jetzt geht es aber um Vision, Understanding, Clarity und Adaptability. Wer also in der VUCA-Welt bestehen will, definiert eine Vision für sein Unternehmen. Wo soll es gemeinsam hingehen und welche Werte tragen das gesamte Team, geben Orientierung? Understanding heißt Probleme verständlich zu machen und Wirkungszusammenhänge zu suchen. Aber ist das nicht ein Widerspruch? Zuerst erklärt VUCA, dass Ursache und Wirkung nicht mehr abgeschätzt werden können – um dann die Lösung zu präsentieren: Finden Sie Ursache und Wirkung! – das war’s vielen Dank auch? Nein, natürlich nicht, und Clarity und Adaptability sind die Antwort auf diesen Widerspruch. Versuchen Sie, gerade als UnternehmerIn, nicht den einen Weg zu finden oder gar vorzugeben. In der VUCA-Welt gehören Aktion und Reaktion dazu, Widerstände und teils sogar Ängste sind Teil der Lösung, nicht des Problems. Was lässt sich ableiten, wo können (wenn auch vereinfachte) Zusammenhänge aufgedeckt werden und wie können diese zum Erfolg des Unternehmens genutzt werden? In diesem Prozess heißt es stets beweglich und anpassungsfähig zu bleiben.


Eine Frage der Kultur


Wie man hier sieht, ist die Antwort auf die VUCA-Welt vor allem im Hinblick auf die finanziellen Aspekte eines Unternehmens keine methodische. Keine Software, kein Planungstool und keine Herangehensweise sind allgemein gültig und führen zwangsläufig zum Erfolg. Vielmehr liegt die Antwort in der Unternehmenskultur. Wie wird mit Fehlern umgegangen, wie setzen sich Teams zusammen und wie läuft der Prozess der Entscheidungsfindung. Passen die Systeme und Hierarchien in diese neue Umgebung?

Was heißt das konkret für mein Unternehmen?


Alles schön und gut – aber wie bekomme ich das konkret umgesetzt? Natürlich kann ein Blog nur einen Denkanstoß geben, aber schauen wir uns in der Folge konkrete Schritte zu jedem Element der VUCA-Welt an. Wie gehe ich die (Finanz-)Planung in diesem Umfeld praktisch an:


Volatility: Ja, die Welt wird volatiler und schneller, das ist aber kein Grund gänzlich auf Planung zu verzichten. Das Ziel ist aber nicht die möglichst genaue Vorhersage der Zukunft, sondern ein Abschätzen von möglichen Pfaden. Versuchen Sie nicht einen Weg durch die Krise zu finden, sondern akzeptieren Sie mehrere mögliche Szenarien. Ihre Planung muss verhindern, dass Sie von der Realität überrascht werden.


Uncertainty: Wie gesagt, Fehler gehören dazu und Unsicherheit lässt sich nicht vollständig ausblenden. Unsicherheit kann aber trotzdem bewertet werden – das Zauberwort ist finanzielle Resilienz. Geben Sie sich auch finanziell die Möglichkeit aus Fehlern zu lernen und setzen Sie nicht alles auf eine Karte.


Complexity: Ursache und Wirkung nicht mehr nachvollziehen zu können liegt in der Praxis oft an veralteten oder einfach unpassenden Metriken. Überdenken Sie die Art und Weise, wie Erfolg gemessen wird und welche KPI’s wirklich relevant sind. In den meisten Fällen haben Sie die notwendigen Daten und Kompetenzen, aber legen anschließend die falschen Schablonen auf.


Ambiguity: Im schlimmsten Fall meißeln Sie eine Roadmap in Stein, beharren darauf und suchen anschließend Schuldige, statt Lösungen. Bleiben Sie auch hier anpassungsfähig und überdenken Sie Planungsrechnungen und den Prozess dahinter. Was bis jetzt funktioniert hat, bietet in der VUCA-Welt vielleicht keinen wirklichen Mehrwert.


Soweit zu den Problemen, ein paar VUCA-Tipps zur Lösung gibt es zum Schluss aber auch noch:


Vision: Wenn Problemstellungen sich laufend ändern ist es umso wichtiger, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Insbesondere, weil Werte hinter denen alle stehen das Team in turbulenten Zeiten zusammenhalten. Wer nicht mehr weiß wofür, dem ist das Wie auch herzlich egal.


Understanding: Denken Sie finanzielle Aspekte auch strategisch und spielerisch, versuchen Sie es zur Abwechslung mit einem diversen, abteilungsübergreifenden Team. Versuchen Sie neue Methoden, warum nicht mal probabilistisch Simulieren? Das bringt ganz nebenbei auch neue Einblicke und ein tiefes Verständnis für das eigene Geschäftsmodell.


Clarity: Die Welt ist zu komplex um Sie allgemein gültig in Modellen zu erklären. Legen Sie den Fokus auf Teilaspekte, die wirklich Mehrwert generieren, der Rest kostet nur Energie. Sie brauchen Lösungen, keine akademische Abhandlung. Das gleiche gilt für die eingesetzten Tools: Mit der richtigen Einstellung im Kopf reicht ein leeres Blatt Papier und Excel.


Adaptability: Wer in einer VUCA-Welt bessere Forecasts will oder ein finanzielles Umfeld braucht, dass Innovation und Agilität erlaubt, muss sich damit abfinden, dass die Antwort in Prozessen und der Unternehmenskultur zu finden ist, nicht in speziellen Methoden und Systemen. Viele scheuen dann aber davor zurück, so weit in die Abläufe „hineinzugreifen“ und Strukturen aufzubrechen. Machen Sie Planung dynamisch, rollierend und setzen Sie auf Simulation. So verlagern Sie „trial und error“ in die Planungsphase und müssen nicht alle Fehler tatsächlich machen.


Der Schlüssel zum Erfolg


Vergessen Sie goldene Regeln, Best-Practice und sonstige Allheilmittel. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im ständigen Streben nach Verbesserung, ohne sich auf der Suche nach dem Optimum zu verlieren. Ab jetzt bleibt kein Stein auf dem anderen, wenn Sie einen Megatrend gut nutzen konnten steht der nächste schon wieder vor der Tür. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, IoT, die Klimakrise – all das sind Themen die in Wahrheit nie abgeschlossen sein werden und uns laufend Anpassung und Kreativität abverlangen.


Nicht zuletzt aber auch Mut und Entschlossenheit in der Entscheidungsfindung. Innovations- und Fehlerkultur sind in aller Munde, schaffen es aber in den seltensten Fällen bis in die Finance-Abteilungen. Und das, obwohl heute jedes Problem auch ein finanzielles ist. Egal ob große Investitionen anstehen, Wachstum oder Innovation abgestrebt werden oder einfach nur das aktuelle Geschäftsjahr überstanden werden soll – all das benötigt entsprechende finanzielle Ressourcen und muss strategisch geplant werden. Wer hier glaubt, mit einer Softwarelösung den heiligen Gral gefunden zu haben, glaubt auch die Digitalisierung zu meistern weil er ein Tablet in der Hand hält. Na dann, alles Gute!


Was mir persönlich an VUCA gefällt? Es hinterfragt nicht die Methodik, sondern das Mindset hinter der Entscheidungsfindung. Neue Methoden und Systeme leiten sich dann daraus ab. Gleichzeitig löst man sich von alten Denkmustern und Paradigmen und bricht oft festgefahrene Strukturen auf. Und zuletzt – dieses Konzept funktioniert vom EPU bis zum Großkonzern. Alles was es braucht, ist der Mut Neues auszuprobieren und Fehler zu machen. Dafür gibt es keinen besseren Moment als mitten in der Krise.


foremind steht Ihnen dafür als Partner gerne zur Verfügung. Der Blick von Außen ist beim Perspektivenwechsel besonders wertvoll und hilft, erste konkrete Schritte schnell zu initiieren. Nicht zuletzt bringt foremind aber auch den notwendigen quantitativ analytischen Background mit. Damit kann ich Sie vom Konzept bis zur Umsetzung begleiten, damit aus Ideen auch täglich gelebte Abläufe werden.


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