• Lukas Litschauer

Project Finance: Nur worst case Analyse ist noch kein Risikomanagement

Simulationsbasierte Risikoanalyse für Projektfinanzierungen

Projektfinanzierungen stellen im Gegensatz zur klassischen Corporate Finanzierung ausschließlich auf die erwarteten Cashflows des jeweiligen Projekts ab. Garantien oder sonstige Rückgriffsmöglichkeiten auf die Sponsoren sind nicht vollständig ausgeschlossen, aber meist stark begrenzt. Der (sonst übliche) Blick in die wirtschaftliche Vergangenheit hat also nur sehr geringe Aussagekraft zur Risikobeurteilung. Verständlich, dass Banken und Investoren sehr sorgfältig an die Prüfung derartiger Projekte herangehen, insbesondere bei einem entsprechend hohen Finanzierungsvolumen wie bspw. im Immobilien- oder Infrastrukturbereich oder öffentlich ausgeschriebenen PPP-Projekten.


Wie Risiken identifiziert werden


Rechtliche Risiken werden im Rahmen der Legal Due Diligence umfassend geprüft und dokumentiert. Die dabei identifizierten Risikofaktoren haben direkten Einfluss auf die Vertragsgestaltung der Finanzierungsdokumentation oder die Strukturierung der Finanzierung. Ebenso sieht es auf der technischen Seite aus, wo meist externe Experten das Risikopotential in der Technical Due Diligence beschreiben. Sind geplante bzw. vorgegebene Bauzeiten realistisch? Kommen technisch innovative Lösungen zum Einsatz und sind die geplanten Baukosten nachvollziehbar? Alles Fragen, die in der technischen Due Diligence beantwortet werden und ebenfalls direkten Einfluss auf die Finanzierung haben können, etwa wenn es darum geht wie hoch Reservekonten oder Garantien dotiert werden müssen.


Neben rechtlichen und technischen Risiken gilt es aber auch, finanzielle Risiken entsprechend zu beurteilen. Dabei sollte es nicht nur um die Momentaufnahme der Finanzplanung gehen, sondern ebenso um mögliche Abweichungen. Erst dadurch ist eine Aussage über die Tragfähigkeit („financial viability“) wirklich möglich.


Und gerade hier stoßen Investoren und Banken auf sehr eingeschränkte Möglichkeiten im Hinblick auf das eigene Risikomanagement. Aufgrund hoher Komplexität und fehlender Standardisierung erfolgt die wirtschaftliche Darstellung der Projekte in umfangreichen, meist Excel-basierten Finanzmodellen, die vom Finanzierungswerber erstellt werden. Eine tiefgehende Prüfung des (nicht selbst entwickelten) Modells ist meist nicht möglich, daher beschränkt sich die Prüfung meist auf zwei Komponenten:


Model Audit: Hier werden Aufbau und Struktur des Modells im Hinblick auf arithmetisch korrekte und verlässliche Ergebnisse geprüft. Selbstverständlich unumgänglich, aber eben nur die bereits erwähnte Momentaufnahme der Finanzplanung.


Sensitivitätsanalyse: Um genau dieses Defizit des Model Audits auszugleichen und die wirtschaftliche Tragfähigkeit zumindest teilweise bewerten zu können, werden verschiedene Abweichungen vom geplanten Szenario dargestellt und bewertet. In der Praxis werden häufig nur bis zu zehn solcher Sensitivitäten berechnet, meist handelt es sich um Extremfälle einzelner Einflussgrößen.


Darf’s ein bisschen mehr sein?


Wenn es um die wirtschaftliche Tragfähigkeit geht, müssen Risikotreiber des jeweiligen Projekts schnell identifiziert werden können. Dabei sind 10 oder 15 Szenarien schlicht deutlich zu wenig, um Zusammenhänge und Trends erkennen zu können. Gleichzeitig dürfen die wesentlichen Inputparameter nicht nur isoliert betrachtet werden. Natürlich sind die Extrempunkte ein wichtiger Teil der Analyse, aber im echten Leben bewegen sich sämtliche Parameter mehr oder weniger unabhängig voneinander und vor allem gleichzeitig.


Was bringt Simulation?


Statt einzelne Szenarien zu definieren, geht es bei der Simulation um mögliche Bandbreiten. Es ist eben leichter, die Kosten für einen Austausch des Fahrbahnbelags zu schätzen als für eine Brücke mit einer Spannweite von 1500m. Hintergedanke ist, dass riskante Einflussgrößen deutlich höher streuen, also abweichen können. Das erlaubt zusätzlich, Abweichungen aus früheren Projekten miteinzubeziehen und somit stetig zu lernen. Anschließend werden dann 1000 Projektverlaufsmöglichkeiten mit zufällig generierten Parametern in der jeweiligen Bandbreite simuliert. Die hohe Zahl an automatisierten Durchläufen erlaubt eine Aussage über Eintrittswahrscheinlichkeiten. Wie oft war die (A)DSCR unter 1? Wie oft waren zusätzliche Finanzierungserfordernisse höher als die entsprechenden Garantien?



Übersicht der Datenlage für die Simulation

Die Simulation ermöglicht außerdem, wesentliche Treiber des Projekts schnell zu identifizieren. Dadurch erkennen Sie kritische Abweichungen frühzeitig und können entsprechend reagieren.


Einfluss der einzelnen Parameter auf DSCR und Working-Capital-Fazilität

Was sind die konkreten Vorteile?


  • Sie bekommen schnell ein tiefes Verständnis für die wesentlichen Treiber des Projekts

  • Sie können auf Basis von Eintrittswahrscheinlichkeiten effizientes Risikomanagement betreiben

  • das Tool wird maßgeschneidert in das jeweilige Finanzmodell integriert

  • Sie behalten alle Szenarien nachvollziehbar im Blick, Simulation ist keine „black box“

  • Sie erhalten ein Tool, das „lernen“ kann und immer treffsicherer wird

  • Sie erkennen kritische Entwicklungen frühzeitig und können reagieren


Bringen Sie Ihr Risikomanagement für Projektfinanzierungen mit foremind einen Schritt weiter. Alle Kontaktdaten und mehr Informationen finden Sie unter: www.foremind.at

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