• Lukas Litschauer

Planungsrechnung in Krisenzeiten?

Trotz (bis zu) 100% staatlicher Ausfallssicherung geht bei der Kreditvergabe ohne Planungsrechnung gar nichts. Warum das so ist, wie Planungsrechnungen in unsicheren Zeiten erstellt werden und warum das für alle Sinn macht: jetzt lesen im neuen foremind-Blog!


Im Laufe der Corona-Krise hat sich schnell herausgestellt, dass ohne Überbrückungskredite für zahlreiche Unternehmer nicht an eine Fortführung des Betriebs zu denken ist. Zuschüsse kommen (auch drei Monate nach Beginn des Lock-Downs) für viele zu langsam, nicht ausreichend hoch oder aufgrund der Ausschlusskriterien gar nicht an. Um den Prozess der Kreditvergabe zu beschleunigen wurden staatliche Ausfallsgarantien, vermittelt durch AWS bzw. ÖHT, eingerichtet. Beginnend bei 80% des Kreditbetrags wurden diese Garantien schrittweise erhöht und können mittlerweile für Kredite bis EUR 200.000 sogar den gesamten Finanzierungsbetrag abdecken. Der Grund für die nachträgliche Verbesserung bzw. Erhöhung? Zum einen benötigen derartige Förderungen vorab die Freigabe seitens EU (Notifizierung), zum anderen ging man anfangs wohl davon aus, dass 80% Besicherung auch in der aktuellen Situation für eine positive Beurteilung seitens der Bank genügen würden. Jetzt stellt sich heraus, dass sogar 100% Ausfallsgarantie kein Garant für eine schnelle und unbürokratische Kreditvergabe ist. Ist die Kritik an den Banken berechtigt?


Warum verlangen Banken noch immer Planungsrechnungen bzw. Businesspläne?


Zu Beginn sei erwähnt, dass Banken einem umfangreichen Regulativ unterliegen, das die meisten Vorgaben für die Beurteilung von Kreditanträgen regelt. Und ja, seit der letzten Finanzkrise müssen Banken gerade bei Unternehmen deutlich genauer prüfen als zuvor. Die Corona-Krise hat in Wahrheit keinen Einfluss auf den Vergabeprozess der meisten heimischen Banken bewirkt. Die veröffentlichten Anforderungslisten entsprechen dem üblichen Standard vor der Krise und werden diese wohl auch unverändert überstehen. Wozu aber die ganze Prüferei wenn ohnehin kein Risiko für die Bank besteht? Nun, für einzelne Kreditvergaben stimmt diese Ansicht vielleicht noch. Problematisch wird es, wenn eine kritische Anzahl an Unternehmen mit Fremdkapital versorgt wird, obwohl eine Rückführung äußerst unwahrscheinlich ist. Durch die Ausfallsgarantie ist der Kreditbetrag vielleicht noch abgedeckt, in der Regel bestehen aber weitere Verbindlichkeiten an zahlreiche Zulieferer. Gehen diese, medial aktuell als „Zombieunternehmen“ titulierte Betriebe später in die Insolvenz, kommt es zur Kettenreaktion. Denn diese Zulieferunternehmen vertragen auf ihrem Weg aus der Krise auch keine nennenswerten Zahlungsausfälle, agieren wahrscheinlich selbst nah am Abgrund und mithilfe von Krediten. Wenn Sie als Bank dann nicht ein oder zwei, sondern tausende Unternehmenskredite ausständig haben, holt Sie diese Kettenreaktion sehr schnell ein. Aus Sicht der Banken ist ein systematisches „Wegschauen“ daher nicht nur wirtschaftlich unratsam, sondern sogar fahrlässig.


Wie soll ich einen Businessplan erstellen, ich hab‘ keine Glaskugel!


Ich weiß nicht, wie oft dieser Satz in diversen Corona-Gruppen zu lesen war. Auf alle Fälle ist er genauso erschreckend wie schwachsinnig. Zum einen, wer die ominöse Glaskugel tatsächlich besitzt, ist genau der Einzige, der keinen Businessplan braucht. Zum anderen zeigt diese Aussage, dass selbst langjährige Unternehmer/innen den Zweck des Businessplans noch nicht ganz erkannt haben. Es geht nicht um die möglichst exakte Vorhersage der Zukunft. Wozu dann der Businessplan?


Businessplanning in unsicheren Zeiten


Der Businessplan, bzw. im finanziellen Zusammenhang insbesondere die Planungsrechnung ist mehr als nur stumpfe Vorhersage. Es geht vor allem darum, das eigene Geschäftsmodell in der Tiefe zu verstehen. Kritische Größen, Abhängigkeiten, zeitliche Wechselwirkungen und deren Auswirkungen auf Liquidität und Ergebnis. Das zeigt schon, dass Planungsrechnungen zuallererst für den Unternehmer selbst sind. Hier werden Szenarien durchgespielt, Auswirkungen beobachtet und letztlich Entscheidungen getroffen. Wer hier gute Arbeit leistet, weiß nicht nur was rauskommt wenn alles läuft wie geplant. Der weiß auch was blüht, wenn es Abweichungen gibt. Und noch wichtiger: der erkennt Abweichungen überhaupt erst rechtzeitig. Eine saubere Planungsrechnung macht den Unterschied zwischen Agieren und Reagieren, vor allem wenn laufend aktualisiert und angepasst wird und Ziele nicht nur definiert, sondern auch verfolgt werden. Gewinner ist, wer von der Realität nicht überrascht wird.


Krisen kann man nicht planen?


Richtig, Krisen kann man nicht planen, dem soll man keine Beraterfloskeln entgegensetzen. Nein, Krisen haben nicht immer auch was Gutes. Nein, nicht alle Unternehmen, die durch Corona in die Insolvenz schlittern, waren nur nicht willens genug, die Chance in der Krise zu sehen bzw. zu nutzen. Dass Krisen schwer planbar sind, sieht man derzeit auch an teilweise stark voneinander abweichenden Prognosen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, bspw. bei Konjunkturprognosen. Wie also mit der Situation umgehen? Um den Fall konkreter zu machen, nehmen wir als Beispiel eine der am schwersten von der Krise betroffenen Branchen, nämlich den Veranstaltungs- bzw. Eventbereich. Wer hier plant, erkennt schnell den wesentlichen Parameter für die zukünftige Umsatzentwicklung: ab wann dürfen Veranstaltungen wieder stattfinden? Besonderheit: Auf diesen Faktor haben Sie keinen Einfluss und er kann sich laufend ändern. Abhängig vom politischen Diskurs und noch mehr von den aktuellen Entwicklungen der Virusausbreitung im In- und Ausland. Ungut, aber kein Grund das Handtuch jetzt schon zu werfen.


Bandbreiten und Szenarien sind kein Makel


Je „unsicherer“ die Planung wird, desto eher sollte man auf Bandbreiten und Szenarien ausweichen. Dadurch verlieren Prognosen nicht an Aussagekraft, ganz im Gegenteil. Profis arbeiten in ähnlichen Situationen regelmäßig mit Bandbreiten, von der Wahlprognose bis zur 15-Tage-Wettervorhersage. Diese Vorgehensweise ist nachvollziehbar, konsistent und um Welten besser als ein Schuss aus der Hüfte. Was heißt das jetzt im konkreten Beispiel von oben? Sie wissen nicht ob Veranstaltungen ab August, Dezember oder vielleicht erst 2021 wieder möglich sind. Bilden Sie alle drei Szenarien ab und planen dementsprechend. Natürlich betrifft das nicht nur die Umsatzzeile, sondern das gesamte Unternehmen. Wer mehrere Monate aussetzen muss, kann eventuell nicht alle Mitarbeiter halten, Fahrzeuge weiterleasen oder muss sogar Equipment verkaufen. Planen Sie auch die Szenarien, die weh tun, eine Art Notfallprogramm, ein regelrechtes Durchtauchen. Rechnen Sie nichts schön, davon hat niemand etwas, am wenigsten Sie selbst.

Unabhängig von der Branche sind die zwei wesentlichen Faktoren die Möglichkeit (also ab wann ist es erlaubt/möglich) und die Geschwindigkeit (ab wann wird wieder wie viel nachgefragt). Beides können Sie nur in Bandbreiten bzw. Szenarien abdecken.


Zurück zum anstehenden Bankentermin


Spätestens jetzt sollten Sie den Zweck des Businessplan neu entdeckt haben. Wenn Sie die Zukunft (so wie die Bank selbst) nicht vorhersagen können, definieren Sie bis zu drei nachvollziehbare Szenarien. Zeigen Sie der Bank, dass Sie ihr Unternehmen durch alle Szenarien stabil führen können. Definieren Sie die Faktoren, an denen Sie in Zukunft erkennen, in welche Richtung sich Ihr Umfeld eher bewegt. Halten Sie Ihre Bank am Laufenden und Ihr Finanzmodell stets aktuell. Ihr Bankberater wird sehen, dass Sie vorbereitet sind, Ihr Geschäftsmodell in der Tiefe durchdrungen haben und Fragen schnell beantworten können. Das erhöht Ihre Chancen auf eine positive Kreditentscheidung ungemein, nicht zuletzt weil Sie entspannter in den Bankentermin gehen.


Vorsicht: Derartige Planungen sind komplex


Voraussetzung für diese Art der Planungsrechnung ist ein voll integriertes Finanzmodell. Voll integriert heißt in diesem Zusammenhang, dass alle notwendigen Inputparameter im Modell erfasst und änderbar sind. Bei Änderungen dieser Annahmen werden Cashflow, Bilanz und G&V automatisch aktualisiert. Zusätzlich sollten die für die Kreditvergabe üblichen Kenngrößen, also Eigenkapitalquote, Schuldendienstdeckungsgrade, etc. im Modell dargestellt sein. Die oben erwähnte Szenarienanalyse bringt weitere Komplexität in Ihr Modell.


Wenn Sie so ein Finanzmodell noch nie selbst erstellt haben, dann ist die aktuelle Krise der denkbar schlechteste Zeitpunkt es das erste Mal zu versuchen. Die Zeit drängt, Banken sind aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage vorsichtig und am Schreibtisch Ihres Bankberaters liegen im Moment mehr Kreditanträge als üblich. Scheuen Sie also nicht zurück, für diese Aufgabe externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen!


foremind erstellt individuelle Planungsrechnungen, unterstützt bei der Vorbereitung des Kreditantrags und begleitet den gesamten Finanzierungsprozess. So bringen wir Ihr Unternehmen gemeinsam wieder auf Erfolgskurs. Sollten Sie sich die Planungsrechnung selbst zutrauen aber dennoch nicht auf externes Knowhow verzichten wollen, bietet foremind auch Model Reviews an. Dabei werden bestehende Finanzmodelle akribisch geprüft und getestet. So erkennen Sie etwaige Problemfelder schon vorab und können Änderungen vornehmen, bevor das Finanzmodell Ihr Unternehmen verlässt.

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