• Lukas Litschauer

Können Zahlen eine Geschichte erzählen?

Das Financial Model als Story-telling Device

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In der Entwicklung der eigenen Startup-Idee liegt der Fokus heute sehr stark auf ansprechenden und hochprofessionellen Unternehmenspräsentationen und pitch decks. Durch die Fülle an Startups, und vielleicht auch befeuert durch das ein oder andere TV-Format, ist heute jedem Gründer bewusst, dass dieses Thema insbesondere für den ersten Eindruck den entscheidenden Unterschied machen kann.


Dagegen ist die Aufbereitung des Zahlenwerks, also der Modeling-Prozess, für viele ein rotes Tuch. Hier meine drei Lieblingsaussagen zum Thema Financial Model:

  • "Das benötigen wir erst für die Investorenansprache."

  • "Die Zukunft kann keiner vorhersehen, eine Detailplanung über mehrere Jahre macht doch überhaupt keinen Sinn!"

  • "Zum Glück gibt’s dafür Vorlagen im Internet, ich hasse Excel!"

In diesem Blogbeitrag möchte ich diesen Aussagen auf den Grund gehen, und erklären warum Financial Modeling mehr ist als nur Zahlen zu vermitteln. Ein gut strukturiertes und maßgeschneidertes Financial Model kann eine wichtige Unterstützung beim Storytelling sein. Wie das funktionieren soll?


Zuerst zum weit verbreiteten Gerücht, dass das Financial Model nur für die Investorensuche oder das Fundraising wichtig ist. Natürlich kommt es auch hier zum Einsatz, aber in erster Linie dient das Modell den Gründern selbst. Erst in dieser umfassenden Form, wenn sämtliche Inputs zu Kosten und Erlösen, Investitionen und Finanzierungsüberlegungen zusammen mit der Vertriebs- und Personalplanung ineinandergreifen und (im Idealfall) voll integriert berechnet werden, können Zusammenhänge und wesentliche Treiber des eigenen Geschäftsmodells bewertet und analysiert werden. Damit wird das Financial Model zur road map, und das bis weit nach der eigentlichen Gründung.

Hier schließt auch der zweite Punk an, denn natürlich kann keiner die genaue Geschäftsentwicklung heute voraussagen. Trotzdem sollte es eine detaillierte Planung dazu geben, in der es vor allem darum geht die wesentlichen Meilensteine in der Entwicklung des Geschäftsmodells zu definieren. So können Ziele von Anfang an effizient nachverfolgt werden. Verlässt man den eingeschlagenen Pfad, erkennt man es rechtzeitig und kann entsprechende Lösungsansätze entwickeln.


Und zum Schluss: gibt es dafür nicht irgendwo eine gute Vorlage? Um es kurz zu machen: nein. Für eine erste Bewertung der Geschäftsidee können vorgefertigte Planungsrechnungen schon noch ausreichen. Aber gerade wenn es um Risiko- und Szenarienanalyse geht, stoßen diese Vorlagen schnell an ihre Grenzen. Das SaaS-Startup mit Freemium-Geschäftsmodell lässt sich eben schwer in Deckungsbeitragsrechnungen umlegen. Hier liegen die Herausforderungen ganz wo anders. Produzierende Unternehmen haben wiederum ganz andere Bedürfnisse an die Finanzplanung. Und nein, es gibt (derzeit) kein App oder sonstige Software, die das ähnlich flexibel umsetzten kann. It’s still Excel, hate it or love it.


Aber um jetzt niemanden zu enttäuschen, natürlich ist das Financial Model zentraler Bestandteil bei der Investorensuche. Hat man es wie oben beschrieben entwickelt, ergeben sich jetzt aber Vorteile. Denn wer sich in der Tiefe mit jedem Detail seines Geschäftsmodells auseinandergesetzt hat, reagiert entspannt auf Fragen zu den Zahlen. Eine saubere und übersichtliche Struktur lässt Rückschlüsse auf die eigene Arbeitsweise zu, das wird immer wieder unterschätzt.


Letztlich geht es aber immer darum, mit dem Financial Model die Geschichte und Vision in Zahlen weiterzuerzählen, die in Präsentationen und dem Businessplan begonnen wurden. Aussagen zu burn rate und IRR‘s sind für Investoren schwer direkt zu verarbeiten. Stattdessen sollte das Financial Model, unabhängig von der aktuellen Finanzierungsphase, folgende Frage beantworten können: Welcher Meilenstein soll bis wann erreicht werden, und welche Ressourcen werden dafür eingesetzt? Das erlaubt eine Einschätzung wie realistisch das gesetzte Ziel wirklich ist und erlaubt ganz nebenbei ein Benchmarking mit anderen Playern im gleichen Sektor. Denn für Seed-Investoren kann eine Zwischenfinanzierung bis zur nächsten, größeren Finanzierungsrunde durchaus interessant sein, solange das Startup bis dahin in einer aussichtsreichen Position für die ersehnte Series A ist.


Kann das Financial Model also zum Storytelling Device werden? Eindeutig ja, und gerade in Österreich, wo Risikokapital bekanntlich rar ist, kann das den entscheidenden Unterschied für eine erfolgreiche Finanzierungsrunde ausmachen. „Facts tell stories sell“ – hat wohl jeder schon einmal gehört, aber in diesem Umfeld setzen es die wenigstens wirklich ein. Warum also nicht genau hier ansetzen?


Wer bei dem Thema dann doch lieber auf externe Expertise setzt findet alle Infos unter www.foremind.at. Diesmal sei an der Stelle auch auf den neuen Investor Readiness Report hingewiesen. Ideal für alle, die nicht auf externe Erfahrung verzichten möchten, aber nicht den gesamten Modelingprozess aus der Hand geben wollen.

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